Sind wir zum Spielball von Big-Tech geworden?

🧠 KI, Macht und Missbrauch: Wenn Technologie zur Waffe wird

Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz hat enorme Fortschritte gebracht. Doch parallel entsteht eine Realität, die deutlich unbequemer ist: KI wird gezielt missbraucht – auch zur sexualisierten Gewalt gegen Frauen. Und dieser Missbrauch passiert nicht im luftleeren Raum, sondern innerhalb eines Systems, das von wenigen globalen Tech-Konzernen geprägt wird.


🔍 Die technische Perspektive: Niedrige Hürden, hohe Wirkung

Moderne KI-Tools machen es erschreckend einfach, täuschend echte Inhalte zu erzeugen. Deepfakes, synthetische Bilder und manipulierte Videos entstehen heute in Minuten.

Die Zutaten:

  • frei zugängliche KI-Modelle
  • riesige Datenmengen aus dem Internet
  • Tools, die bewusst auf einfache Bedienbarkeit optimiert sind

Das Ergebnis: Jeder mit minimalem technischen Verständnis kann Inhalte erstellen, die früher hochspezialisierten Experten vorbehalten waren – einschließlich sexualisierter Darstellungen realer Frauen ohne deren Zustimmung.


⚠️ Plattformen als Brandbeschleuniger

Die Verantwortung endet nicht bei den Nutzern. Viele dieser Tools existieren, weil Plattformen sie bereitstellen – oft ohne wirksame Schutzmechanismen.

  • Inhalte werden erst entfernt, wenn der Schaden längst entstanden ist
  • Moderation ist reaktiv statt präventiv
  • Wachstum wird über Sicherheit gestellt

Das ist kein Zufall, sondern Teil eines Systems, das auf maximale Nutzung oder besser gesagt Gewinnmaximierung ausgelegt ist.


📱 Der Fall Collien Fernandes: Ein Symptom, kein Einzelfall

Die breite Empörung rund um Collien Fernandes zeigt, wie schnell solche Fälle eskalieren. Innerhalb kürzester Zeit verbreiten sich Inhalte, werden kommentiert, geteilt, bewertet.

Was dabei oft untergeht:
Die eigentliche Tat – die Erstellung solcher Inhalte – ist nur der Anfang. Die Plattformdynamik vervielfacht den Schaden.


🏢 Die eigentliche Machtfrage: Wer kontrolliert diese Systeme?

Hier wird es unbequem. Denn die Infrastruktur, auf der all das passiert, liegt in den Händen weniger großer US-Tech-Konzerne.

Diese Unternehmen:

  • kontrollieren die zentralen Plattformen und KI-Tools
  • definieren die Regeln der Sichtbarkeit und Reichweite
  • entscheiden, welche Inhalte erlaubt, geduldet oder gelöscht werden

Geführt werden sie überwiegend von einer kleinen, extrem wohlhabenden Elite – häufig weißen Männern aus den USA, die weder demokratisch legitimiert noch gesellschaftlich breit kontrolliert sind.

Das ist keine moralische Randnotiz, sondern eine strukturelle Machtkonzentration.


💰 Empörung als Geschäftsmodell

Ein besonders kritischer Punkt: Plattformen verdienen an genau den Dynamiken, die solche Fälle groß machen.

  • Skandale erzeugen Klicks, Kommentare, Shares
  • Emotionale Inhalte steigern Verweildauer
  • Mehr Aufmerksamkeit bedeutet mehr Werbeeinnahmen

Das System belohnt also genau jene Inhalte, die gesellschaftlich am schädlichsten sind.

Selbst wenn problematische Inhalte später gelöscht werden, haben sie ihren wirtschaftlichen Zweck oft bereits erfüllt.


🧩 Alte Machtmuster, neue Technologie

Die Vorstellung, dass Männer Kontrolle über Frauen ausüben dürfen, ist kein neues Phänomen. Neu ist, wie effizient diese Haltung durch Technologie verstärkt wird.

KI wird hier zum Werkzeug:

  • zur Objektifizierung
  • zur Demütigung
  • zur Machtdemonstration im digitalen Raum

Und die Plattformen liefern die Infrastruktur, die diese Dynamiken skaliert.


⚖️ Regulierung: Notwendig, aber unbequem

Wenn Fälle wie der von Collien Fernandes zu strengeren Gesetzen führen, ist das ein wichtiger Schritt. Aber echte Veränderung bedeutet auch, sich mit der Macht der Plattformen auseinanderzusetzen.

Das heißt konkret:

  • Verbindliche technische Schutzmechanismen statt freiwilliger Richtlinien
  • Haftung der Anbieter, nicht nur der Nutzer
  • Transparenz über Algorithmen und Moderation
  • Begrenzung monopolartiger Strukturen

✅ Fazit: Es geht nicht nur um Technologie

Der Missbrauch von KI ist kein isoliertes Problem einzelner Täter. Er ist Teil eines Systems, in dem:

  • Technologie ohne ausreichende Kontrolle bereitgestellt wird
  • Plattformen von Empörung profitieren
  • globale Konzerne gesellschaftliche Dynamiken mitgestalten

Wer über sexualisierte Gewalt durch KI spricht, muss deshalb auch über Macht sprechen. Über wirtschaftliche Interessen. Und über die Frage, warum wir zugelassen haben, dass wenige BigTech-Konzern – geleitet von Männer – so großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung, unsere Emotionen und letztlich unser gesellschaftliches Zusammenleben haben.

Mehr zum Thema BigTech und Macht:
Buch: Big Tech muss weg!
Buch: Krieg der Medien – Dark Tech und Populisten übernehmen die Macht
Podcast mit Maya Göpel – Digitale Sicherheit NEU DENKEN mit Martin Andree

Ist Dinkel besser als Weizen?

Dinkel statt Weizen wegen Glutenunverträglichkeit – sinnvoll oder ein weit verbreiteter Irrtum?

„Ich vertrage keinen Weizen mehr – ich esse jetzt nur noch Dinkel.“

Diesen Satz hört man inzwischen erstaunlich oft. Klingt vernünftig, oder? Schließlich gilt Dinkel als „ursprünglicher“, „gesünder“ und irgendwie… verträglicher.

Aber stimmt das auch – oder ist das ein klassischer Ernährungsmythos?


🌾 Die kurze Antwort: Dinkel ist kein glutenfreier Ausweg

So unbequem es ist:
Dinkel enthält Gluten. Und zwar nicht zu knapp.

Botanisch gesehen ist Dinkel nichts anderes als eine Weizenart (Triticum spelta). Das bedeutet:

  • Die Struktur des Glutens ist sehr ähnlich
  • Für Menschen mit echter Glutenunverträglichkeit ist Dinkel genauso problematisch wie Weizen

👉 Besonders wichtig:
Menschen mit Zöliakie dürfen keinen Dinkel essen. Punkt.


🤔 Warum geht es manchen mit Dinkel trotzdem besser?

Jetzt wird es spannend. Denn viele berichten tatsächlich:
„Dinkel bekomme ich besser.“

Das ist nicht eingebildet – aber oft falsch erklärt.

Hier sind die drei häufigsten Gründe:


🧪 1. Es liegt oft gar nicht am Gluten

Viele Beschwerden werden vorschnell auf Gluten geschoben. Tatsächlich reagieren manche Menschen eher auf:

  • FODMAPs (fermentierbare Zucker, die im Darm Probleme machen können)
  • andere Weizenbestandteile wie Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs)

Studien zeigen, dass bei sogenannter „nicht-zöliakischer Weizensensitivität“ häufig nicht das Gluten der Hauptauslöser ist.

👉 Beispiel:
Jemand bekommt Blähungen von Toastbrot aus dem Supermarkt.
Wechselt zu Dinkel-Sauerteigbrot vom Bäcker → plötzlich geht’s besser.

War es der Dinkel?
Oder die Verarbeitung? (Spoiler: meist Letzteres.)


🍞 2. Verarbeitung schlägt Getreideart

Ein riesiger Faktor ist die Art, wie Brot hergestellt wird:

IndustrieproduktHandwerkliches Brot
kurze Teigführunglange Teigführung
viele Zusatzstoffewenige Zutaten
schnelle ProduktionFermentation

Bei langen Teigführungen (z. B. Sauerteig) passiert Folgendes:

  • FODMAPs werden teilweise abgebaut
  • Teige werden besser verdaulich

👉 Und das gilt für Weizen UND Dinkel.

Mit anderen Worten:
Ein gutes Weizen-Sauerteigbrot kann verträglicher sein als ein schnell produziertes Dinkelbrötchen.


🧠 3. Der „Health-Halo-Effekt“

Dinkel hat ein hervorragendes Image:

  • „ursprünglich“
  • „natürlich“
  • „gesünder“

Das beeinflusst unser Verhalten stärker, als wir denken.

👉 Typische Effekte:

  • Man isst bewusster
  • Man kauft bessere Qualität
  • Man isst kleinere Mengen

Und ja: Auch Erwartungen können beeinflussen, wie wir Lebensmittel vertragen.


⚠️ Wann der Dinkel-Trend problematisch wird

Es gibt eine klare Grenze, bei der der Wechsel nicht nur sinnlos, sondern gefährlich ist:

👉 Bei diagnostizierter Zöliakie

Hier führt auch Dinkel zu:

  • Entzündungen im Darm
  • langfristigen gesundheitlichen Schäden

Dinkel ist keine Alternative.


✅ Wann ein Wechsel trotzdem sinnvoll sein kann

Ein Umstieg auf Dinkel kann sich subjektiv lohnen, wenn:

  • keine klare Diagnose vorliegt
  • man gleichzeitig seine Ernährung verbessert
  • man stärker auf Qualität achtet (z. B. Bäcker statt Fertigprodukt)

👉 Der Effekt kommt dann aber meist durch:

  • bessere Verarbeitung
  • weniger Zusatzstoffe
  • bewussteres Essen

… und nicht durch den Dinkel selbst.


🧠 Fazit: Der Mythos in einem Satz

„Dinkel statt Weizen wegen Gluten“ ist meistens die falsche Erklärung für einen echten Effekt.

Oder anders gesagt:

Es ist nicht der Dinkel, der das Problem löst – sondern alles, was man gleichzeitig ändert.


📚 Wissenschaftliche Quellen (Auswahl)

  • Biesiekierski JR et al. (2011, 2013): No effects of gluten in patients with self-reported non-celiac gluten sensitivity – Gastroenterology
  • Skodje GI et al. (2018): Fructan, rather than gluten, induces symptoms in patients with self-reported non-celiac gluten sensitivity – Gastroenterology
  • Sapone A et al. (2012): Spectrum of gluten-related disorders – BMC Medicine
  • Shewry PR & Hey SJ (2015): The contribution of wheat to human diet and health – Food and Energy Security
  • De Giorgio R et al. (2016): Non-celiac gluten sensitivity and other wheat-related disorders – Best Practice & Research Clinical Gastroenterology

🥖 Zum Mitnehmen (oder Mitbacken)

Wenn du Brot besser vertragen willst:

  • probiere Sauerteig statt Industriebrot
  • achte auf lange Teigführung
  • teste bewusst, was genau dir Probleme macht

Und wenn du wirklich vermutest, dass du Gluten nicht verträgst:
👉 Lass es medizinisch abklären – alles andere ist Rätselraten mit Brötchen.


Guten Appetit – egal ob mit Dinkel oder Weizen 😉




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Landtagswahl in Baden‑Württemberg

Verschiebungen, Skandale und politische Deutungen

Die jüngste Landtagswahl in Baden‑Württemberg hat einige bemerkenswerte Entwicklungen hervorgebracht – sowohl bei den Ergebnissen der Parteien als auch bei der politischen Einordnung des Wahlabends.

CDU legt trotz Skandal zu

Bemerkenswert ist zunächst das Abschneiden der CDU: Die Partei konnte ihr Ergebnis um fast sechs Prozentpunkte verbessern. Das geschah trotz eines Skandals um ihren Kandidaten Manuel Hagel, dem vorgeworfen wurde, eine Minderjährige sexualisiert zu haben.

Die Tatsache, dass die CDU dennoch deutlich zulegt, wirft Fragen auf: Wie stark beeinflussen moralische Kontroversen tatsächlich das Wahlverhalten der CDU-Wählerschaft?

Özdemir gewinnt – trotz Verteidigung Hagels

Die meisten Stimmen konnte am Ende Cem Özdemir für sich verbuchen. Brisant dabei: Özdemir hatte Hagel während der Kontroverse öffentlich in Schutz genommen.

Das Wahlergebnis zeigt einmal mehr, dass politische Skandale nicht zwangsläufig zu unmittelbaren Konsequenzen an der Wahlurne führen.

Die Grünen in Baden‑Württemberg: Ein Sonderfall

Die Grünen bleiben im Südwesten ein politischer Sonderfall. Baden‑Württemberg gilt seit Jahren als ihr stärkstes Bundesland und weist eine besondere Wählerstruktur auf.

Deshalb erscheint es gewagt, aus diesem Ergebnis Rückschlüsse auf eine bundesweite Stärke der Partei zu ziehen. Zudem lohnt sich ein Blick auf die Wählerbewegungen: Per Saldo haben die Grünen rund 150.000 Stimmen an die CDU verloren.

deutliche zunahme am rechten Rand

Deutlich zulegen konnte auch die sogenannte Alternative für Deutschland, die ihr Ergebnis um knapp neun Prozentpunkte auf 18,6 % steigern konnte.

Bemerkenswert: Ihr Kandidat trat gar nicht für einen Landtagssitz an, sondern lediglich für den Posten des Ministerpräsidenten. Trotz dieser ungewöhnlichen Konstellation gelang der Partei ein kräftiger Stimmenzuwachs.

Auch der zuvor diskutierte Vetternwirtschafts‑Skandal innerhalb der Partei scheint den Rechtsextremisten nicht geschadet zu haben. Für viele Beobachter bestätigt sich damit erneut die Einschätzung, dass moralische oder inhaltliche Kontroversen bei einem Teil ihrer Wählerschaft kaum Einfluss auf die Wahlentscheidung haben.

SPD weiter im Niedergang

Für die SPD setzt sich hingegen eine Serie enttäuschender Wahlergebnisse fort. Die Partei wirkt zunehmend wie ein Schatten ihrer früheren Stärke.

Innerhalb der Partei werden deshalb erneut Personaldebatten lauter. Kritiker fordern einen Rücktritt von Parteichef Lars Klingbeil und sehen Verteidigungsminister Boris Pistorius als möglichen neuen Hoffnungsträger.

FDP verliert weiter an Bedeutung

Besonders bemerkenswert ist der Niedergang der FDP im Südwesten. Baden‑Württemberg galt lange als eines der klassischen Stammländer der Liberalen.

Heute spielt die Partei dort kaum noch eine Rolle. Für manche Beobachter ist das ein alarmierendes Zeichen: Eine funktionierende Demokratie brauche eine starke liberale Kraft. Kritiker werfen der FDP allerdings vor, sich zuletzt zunehmend von klassischem Liberalismus entfernt und stärker rechtslibertäre Positionen vertreten zu haben.

Leichte Zugewinne für die Linke

Die Linke konnte leicht zulegen. Beobachter gehen davon aus, dass ein stärkerer Zugewinn möglich gewesen wäre.

Am Ende entwickelte sich der Wahlkampf jedoch zu einem Zweikampf zwischen Özdemir und Hagel, was viele progressive Wählerinnen und Wähler dazu veranlasste, taktisch gegen Hagel zu stimmen.

Medienkritik am Wahlabend

Kritik gab es auch an der Berichterstattung der öffentlich‑rechtlichen Sender. In den Wahlstudios von ARD und ZDF wurden die rechtsextreme vom Verfassungsschutz beobachtete sogenannten Alternative für Deutschland ohne zusätzliche politische Einordnung auf Augenhöhe mit anderen Parteien interviewt.

Für manche Beobachter wirft das die Frage auf, wie Medien mit Parteien umgehen sollten, die von politischen Gegnern und Teilen der Öffentlichkeit als extremistisch eingeordnet werden – insbesondere an Wahlabenden, wenn politische Bewertungen häufig zurückhaltender formuliert werden.


Insgesamt zeigt die Wahl in Baden‑Württemberg eine politisch stark fragmentierte Landschaft: Während einige Parteien Zugewinne verbuchen, ringen andere um ihre politische Relevanz. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie stark Skandale, strategisches Wählen und mediale Darstellung das Ergebnis letztlich beeinflusst haben.