Steht der VfL Wolfsburg vor dem teuersten Desaster der Bundesliga-Geschichte?
Es ist ein Szenario, das vor der Saison niemand für möglich gehalten hätte. Der VfL Wolfsburg, Stammgast im oberen Tabellendrittel und finanziell durch den Volkswagen-Konzern bestens aufgestellt, taumelt dem Abgrund entgegen. Mit einem Kaderwert von rund 250 Millionen Euro belegen die „Wölfe“ nominell den 7. Platz der Bundesliga-Hierarchie. Doch die Realität nach 28 Spieltagen sieht düster aus: Platz 17.
Ein historisches Novum: Qualität schützt vor Abstieg nicht
In der über 60-jährigen Geschichte der Bundesliga gab es viele prominente Absteiger. Vereine wie der VfB Stuttgart (2019) mit einem Kaderwert von ca. 160 Mio. € oder der FC Schalke 04 (2021) mit etwa 115 Mio. € zeigten bereits, dass Namen keine Tore schießen.
Doch ein Abstieg des aktuellen Wolfsburger Kaders würde alle bisherigen Dimensionen sprengen. Noch nie ist ein Verein in die 2. Liga durchgereicht worden, dessen Marktwert auch nur annähernd die Viertelmilliarde-Marke kratzte. Während Klubs wie der HSV (2018) oder Werder Bremen (2021) meist nach Jahren des schleichenden Niedergangs und sinkender Kaderwerte abstiegen, wäre ein Wolfsburger Sturz ein plötzlicher Kollaps aus der Elitestufe des deutschen Fußballs.
Die nackten Zahlen: Ist die Relegation noch realistisch?
Nach der jüngsten 3:6-Klatsche gegen Bayer Leverkusen und nur einem Punkt aus den letzten fünf Spielen stellt sich die bange Frage: Kann sich der VfL überhaupt noch auf den Relegationsplatz (Rang 16) retten?
Die aktuelle Tabellensituation (Stand: 28. Spieltag):
* 15. 1. FC Köln: 27 Punkte (-9 Tore)
* 16. FC St. Pauli: 25 Punkte (-20 Tore)
* 17. VfL Wolfsburg: 21 Punkte (-25 Tore)
Die Analyse:
Bei noch sechs ausstehenden Spielen (18 mögliche Punkte) beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz 4 Punkte, auf das rettende Ufer sogar 6 Punkte. Rein rechnerisch ist das absolut machbar. Doch die Statistik spricht eine andere Sprache: Die „Wölfe“ weisen mit 17 Niederlagen die zweitmeisten der Liga auf. Zudem ist das Torverhältnis im Vergleich zu St. Pauli und Köln ein schwerer Rucksack.
Das Restprogramm: Der Weg zur Rettung?
Das verbleibende Programm bietet Chancen, birgt aber auch fatale Stolpersteine:
* Eintracht Frankfurt (H): Ein Brocken gegen den Tabellensiebten.
* Union Berlin (A): Ein direktes Duell im weitesten Sinne, Union ist noch nicht ganz sicher.
* Mönchengladbach (H): Pflichtsieg-Potenzial.
* SC Freiburg (A): Traditionell schweres Pflaster.
* Bayern München (H): Hier hängen die Trauben am höchsten.
* FC St. Pauli (A): Das finale Endspiel am 34. Spieltag am Millerntor.
Prognose: Um den FC St. Pauli noch abzufangen, benötigt Wolfsburg mindestens zwei Siege und ein Unentschieden aus den nächsten fünf Spielen, um am letzten Spieltag in Hamburg ein echtes „Finale“ zu erzwingen. Angesichts der aktuellen Form (0,2 Punkte im Schnitt aus den letzten 5 Spielen) gleicht dies jedoch einer Herkulesaufgabe.
Fazit: Ein Warnsignal für die Liga
Sollte der VfL Wolfsburg den Gang in die Zweitklassigkeit antreten, wäre dies das ultimative Mahnmal dafür, dass Marktwert-Tabellen im Abstiegskampf keine Bedeutung haben. Während Einzelkönner wie Jonas Wind oder Lovro Majer theoretisch den Unterschied machen müssten, scheint das Teamgefüge unter dem Druck zu zerbrechen.
Die Chance auf die Relegation lebt – aber sie hängt an einem seidenen Faden, der spätestens gegen Bayern am 33. Spieltag reißen könnte.
